Schrittchenweise zu mehr Gleichberechtigung

Am 1. Juli 2019 trat eine neue EU-Richtlinie in Kraft, die die Rechte von Arbeitnehmern beim Thema Mutterschutz und Elternzeit verbessern sollen. Die Länder haben nun drei Jahre Zeit, dies jeweils umzusetzen.

Hauptziel der Richtlinie ist es, einen Anreiz für Väter beziehungsweise den zweiten Elternteil zu schaffen, sich mehr an der Betreuung des oder der Kinder zu beteiligen. Gleichzeitig soll die Beschäftigungsquote von Frauen angehoben werden. Diese liegt laut EU-Kommission nämlich nach wie vor noch 11,5 Prozent unter der von Männern.

Viele Länder erfüllen die neuen EU-Mindeststandards bereits. Hier wird sich durch die Novelle demnach nichts ändern – beispielsweise in Deutschland oder Schweden. In Österreich erreichte die Regierung hingegen endlich eine kleine, längst notwendige Verbesserung für Papas und die Gleichstellung von Mann und Mutter.

Papamonat in Österreich

Papamonat nennt man in Österreich die vierwöchige Auszeit, die Väter nach der Geburt ihrer Kinder beantragen können – zeitgleich zum Mutterschutz. So können Eltern gemeinsame Zeit mit ihrem Neugeborenen verbringen. Bisher musste der Arbeitgeber dem zustimmen. Ein Rechtsanspruch galt nur für Beamte. Ab Juli 2019 gilt dieser nun auch für Privatangestellte und Arbeiter. Wehmutstropfen: Es handelt sich dabei um unbezahlte Auszeit. Der Staat leistet zumindest eine Ausgleichszahlung von 700 Euro, den sogenannten Familienzeitbonus.

Auch in Sachen Karenz (so bezeichnet Österreich die Elternzeit) wurden kleine Verbesserungen verabschiedet: Zukünftig wird die Karenzzeit nämlich bei Gehaltsvorrückungen, Urlaubsanspruch und Kündigungsschutz voll berücksichtigt. Langfristig bringt das Frauen ein Plus von bis zu 800 Euro pro Jahr.

Diese Entwicklungen zeigen, dass langsam aber doch ein neues Verständnis von Arbeitsaufteilung und Rollenbild einzieht. Dennoch dürfen wir (Männer und Frauen) den Gleichstellungskampf noch längst nicht als ausgefochten betrachten. Ungleichheiten – oft auch versteckte oder unbeachtete – bestehen nach wie vor. In Sachen Elternzeit könnte uns Schweden als Vorbild dienen: Hier sind Väter verpflichtet mindestens elf Wochen zu Hause zu bleiben. So eine Pflicht würden sich wohl auch viele andere Väter wünschen. Dranbleiben!